Starke Ansagen beim »Energieforum 2025« in Gmunden

  Bildergalerie

Zum ersten Mal in der Geschichte der Berufsgruppen veranstalteten die Bundesinnungen Elektrotechnik und Sanitär&Heizung sowie der Fachverband der Ingenieurbüros gemeinsam einen Event. Die Protagonisten des »Energieforum 2025« in Gmunden suchten dabei nicht nur nach Wegen der besseren Zusammenarbeit untereinander, sondern forderten auch die Politik auf, die Rahmenbedingungen für ein Österreich zu schaffen, das zu 100% auf Erneuerbare Energien setzt – mit hörbar klugen Argumenten.


Die Veranstaltung »Energieforum 2025« im Seeschloss Ort in Gmunden am Traunsee bot den Teilnehmern den idealen Rahmen, um sich den gemeinsamen Aufgaben zu widmen: „Ziel dieses Workshops ist die gemeinsame Überzeugung der Wichtigkeit und Richtigkeit der Themen/Inhalte, um für die Zukunft und die Herausforderungen rechtzeitig gerüstet zu sein, um einerseits einen Beitrag zur Umsetzung der Klimaziele zu leisten, andererseits aber auch weiterhin wirtschaftlich erfolgreich am Markt tätig sein zu können", hieß es von Seiten der Verantwortlichen.

Gemeinsam an die Probleme herangehen!
Zu Beginn des Events fanden sich die Teilnehmer zu Workshops unter der Leitung von Ing. Michael Mattes, BIM Sanitär, Heizungs- und Lüftungstechniker, Ing. Josef Witke, BIM Elektrotechniker und Ing. Friedrich Müller-Uri, Fachverbandsobmann Ingenieurbüros WKO zusammen. Zur Sprache kamen Themen wie »die Zukunft der Haustechnik« – insbesondere die Zusammenarbeit der Gewerke – und andererseits »Energieeffizienz als Marktchance oder Hemmschuh«. Im Rahmen des letzteren Workshops befasste man sich auch mit dem Thema Internethandel und seine Auswirkungen auf den Handwerksbetrieb bis hin zur Industrie.

Oberösterreich als Vorbild
Nachdem sich Branchenteilnehmer im Detail ausgetauscht hatten und dabei schonungslos offene Worte der drei Berufsgruppen fielen, ging man schließlich zum Hauptteil der Veranstaltung über. Schon die Begrüßungsreden von Ulrike Schwarz und Dr. Leo Windtner boten genügend Zündstoff. So fasste die oberösterreichische Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz die Fortschritte des Bundeslandes in Sachen Energiewendeprogramm mit folgenden Worten zusammen: „Obwohl sehr viele Häuslbauer schon sehr bewusst mit dem Thema Erneuerbare Energien umgehen, gibt es trotzdem noch sehr viel Luft nach oben", so die Grün-Politikerin. Ein wenig positiver sah es Dr. Leo Windtner: „Bereits rund die Hälfte aller Häuser, die in Oberösterreich neu errichtet werden, sind mit Wärmepumpen ausgestattet. Das ist ein europäischer Spitzenwert", freute sich der CEO der Energie AG OÖ im Gegenzug. Windtner bezeichnete die Energie AG OÖ schließlich als Vorreiter in Fragen der Ökologie: „Wir haben stets einen Schritt nach dem anderen gemacht, um Technologien zum Einsatz zu bringen, die als umweltbewusst gelten. So haben wir unter anderem bereits vor 30 Jahren das erste Windkraftwerk am Dachstein in Betrieb genommen und zum damaligen Zeitpunkt die größte PV-Anlage am Loser errichtet. Darüber hinaus ist in Eberstalzell – direkt neben der A1 – seit fünf Jahren das mit 1 MW Leistung größte Photovotaik-Forschungsprojekt Österreichs im Einsatz. Daraus lässt sich erkennen, wir sehr die Energie AG OÖ auf Strom aus Erneuerbarer Energie setzt", betont der Energie AG OÖ-Boss.

Scharfe Worte in Richtung Politik
Wesentlich kritischere Statements kamen von seiner Seite zum Energieeffizienzgesetz. Windtner hat vor allem Probleme damit, wie die Verantwortlichen des Energieeffizienzgesetzes die Umsetzung geplant haben: „Die Rahmenbedingungen sind an Volatilität nicht zu überbieten. Wir wollen unterstreichen, dass die Energie AG OÖ für den Einsatz Erneuerbarer Energieträger ist – Oberösterreich verbraucht in diesem Land die meiste Energie, erzeugt aber auch die meiste. Und zwar zu einem hohen Prozentsatz mit Erneuerbaren. Die Energie AG OÖ hat im Rahmen der Branchenübereinkunft auch den Hauptanteil an Einsparungen erbracht, die zu erbringen galt. Aber in welcher Form das Energieeffizienzgesetz jetzt über uns »hereingebrochen« ist, kann ich nur sagen »Das haben wir gebraucht wie einen Kropf!«. Als Energieversorgungsunternehmen müssen wir nun danach trachten, dass unsere Kunden Energie einsparen. Das ist zu vergleichen mit einem Restaurant, das darauf achten muss, dass seine Gäste jedes Jahr zwei Kilogramm ihres Körpergewichtes abnehmen. Die Pönale, die uns hier droht, kann in unserem Fall bis zu 10% des Ebits betragen. Das ist eine Sanktion, deren Vermeidung wir zum Teil gar nicht selber in der Hand haben. Und das, obwohl das Gesetz seit 1.1.2015 in Kraft ist und die Bedingungen noch gar nicht klar definiert sind", deponierte Windtner seine Kritik vor den Ohren der Politik und fordert von den Entscheidungsträgern: „Wir brauchen Rahmenbedingungen, um so arbeiten zu können, damit wir unseren Kunden die Versorgungssicherheit garantieren können, aber gleichzeitig die Energieversorgungsbranche nicht an die Wand gefahren wird!"

Deutschland verjagte die PV-Industrie
Die Rede von Hans-Josef Fell, Mitglied des deutschen Bundestages von 1998 bis 2013, Präsident der Energy Watch Group und Autor des Entwurfs des EEG 2000 bildete einen der beiden Höhepunkte – Fell traf das Problem gleich zu Beginn seiner Rede auf den Punkt: „Es gibt leider aktuell sehr viele, die gegen das Ziel, 100% Erneuerbare Energie zu erreichen, opponieren – obwohl wir es mit einer gigantischen Erfolgsgeschichte zu tun haben. Plötzlich hören wir Stimmen, die meinen, das Wachstum der Erneuerbaren muss gebremst werden – so, als ob wir noch Zeit hätten, die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen. In Österreich weiß man, was es heißt, Starkregen ausgesetzt zu sein. Und diese Erscheinungen häufen sich, je länger wir der Klimaerwärmung zusehen."
Besonderes Missfallen über die Stimmen aus der Kohlenstoff-Lobby zeigte Fell, als er über die Kosten sprach: „Erneuerbare Energien werden als Kostentreiber diffamiert. Förderungen wurden heruntergefahren – in einem Ausmaß, dass Deutschland in der Photovoltaikindustrie rund 50.000 Arbeitsplätze verloren hat. Unglaublich wie man als Pionierland dieser Sparte die Industrie aktiv nach China verjagt hat." Fell wunderte sich über Tendenzen, die Kapazitätsschwankungen von Sonnen- und Windenergie ausschließlich mit Gas-, Kohle- und Atomkraft abfangen zu wollen: „Wir brauchen additive Stromerzeugung. Aber warum nicht mit Wasserkraft oder Erdwärme? – Also mit den Bioenergien, die speicherbar sind. Die Uni Erlangen hat in einer Studie die Frage beantwortet, wie hoch der Preis für Strom in Deutschland heute sein würde, hätte man keine Erneuerbaren zur Verfügung. Die Antwort lautet: Der Preis wäre in Summe um 11 Milliarden Euro höher. Damit entpuppen sich Aussagen jener, die die alten Energieformen schützen wollen, als reine Propaganda." Fell plädierte schließlich auch dafür, die Netze zu modernisieren und sich den neuen Systemen der dezentralen Gewinnung und Speicherung von elektrischer Energie anzupassen. „Projekte dieser Art entstehen täglich. Ich kann den Fachbetrieben nur empfehlen, sich den neuen Technologien zu stellen, bevor andere das Geschäft machen", so Fell dazu.

Eine Blase bedroht die Finanzwirtschaft
Selbst in Investment- und Bankkreisen hat es sich bereits herumgesprochen, dass etwa Windenergie unschlagbar günstig in der Produktion ist: „Laut Untersuchungen amerikanischer Investmentunternehmen ist Wind am billigsten, gefolgt von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen. Selbst Bioenergie und Erdwärme sind mit den konventionellen Energieformen konkurrenzfähig – und die Erhebung wurde in den USA gemacht, wo die Erdgaspreise »angeblich« so niedrig sind. Fazit: Wir müssen so bald als möglich auf Erneuerbare Energie umstellen, damit wir die Kosten aus den konventionellen Techniken so rasch wie möglich abschütteln können", so Fell weiter, der allerdings auf eine weitere Gefahr hinwies – eine, die sich an den Finanzmärkten breit macht – die sogenannte »Carbon Bubble«: Finanzinstitute investieren hohe Beträge in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen, ohne die klimapolitische Dimension zu berücksichtigen. Damit fördern sie eine CO2-Blase: Sie treiben Aktienkurse in der Annahme in die Höhe, dass es in Zukunft immer einen Markt für fossile Energieträger geben wird. „So warnte etwa die Bank of England vor Investitionen in derartige Unternehmen. Und der norwegische Pensionsfonds Storebrand – der größte seiner Art – hat beschlossen, seine Beteiligungen aus Kohle, Erdöl und Erdgas zurückzuziehen und auch Warren Buffett steht auf der Bremse", berichtet Fell. Kein Wunder, denn wenn die Menschheit die Erderwärmung begrenzen will, muss der Großteil der fossilen Energiereserven im Boden bleiben und wäre somit wertlos. „Die konventionell agierende Energiewirtschaft steckt in einer Krise. Das Bild der letzten zehn Jahre: Nur 7% der Investitionen in Erneuerbare wurden in Deutschland von den drei großen Stromriesen RWE, Vattenfall und Eon getätigt – 93% von neuen Akteuren. Doch nun hat Eon die Flucht nach vorne angetreten und angekündigt, die Ausrichtung auf Erneuerbare zu forcieren." Wenn sich das Wachstum in Deutschland in dieser Weise weiterentwickelt, so erreicht man das Ziel »100% aus Ökostrom« spätestens im Jahr 2030, bestätigen Experten.
Josef Muchitsch, Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz und Sprecher der Nachhaltigkeitsinitiative »Umwelt und Bauen« schloss den Tag schließlich mit seinem Bericht zur »Fairen Vergabe« – er dokumentiert den Schulterschluss zwischen Gewerkschaft und Unternehmen: „Seit der Öffnung des Arbeitsmarktes im Jahr 2011 hat sich die Situation im Vergabewesen drastisch verändert. Die Frage »wie schafft man es als heimisches Unternehmen gegen Betriebe aus dem ehemaligen Osten konkurrenzfähig zu bleiben« schuf schließlich die Initiative »Faire Vergabe«. Da die Vergabe nicht nur ein Kampf unter den Unternehmen um den Auftrag, sondern auch unter den Arbeitnehmern um den Arbeitsplatz ist, haben die Gewerkschaft und die Betriebe gemeinsame Ziele, die es umzusetzen gilt", so Muchitsch, der die Gelegenheit nutzte, eine Wohnbauoffensive, durch die bis 2020 zusätzlich 5,2 Milliarden Euro in die Wirtschaft fließen wird, anzukündigen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Projekte daraus tatsächlich fair vergeben werden!

Nach oben

Bleiben Sie auch mit den mobilen Angeboten des i-Magazins immer auf dem Laufenden: über die iPad/iPhone-App (zum Download), die Android-App (zum Download) und die mobile Website auch am Smartphone und i-magazin.at