Sicherheitspartner-Initiative wirft Fragen auf

 

Vor kurzem startete das Land Burgenland eine »Sicherheitspartner-Initiative«, die in Fachkreisen für Verwirrung sorgt. Wir haben nachgefragt.


In Kooperation mit Sicherheitspartnern wird im Zuge der Aktion ein vom Land gefördertes Alarmanlagen-Grundpaket inklusive Montage um unter 1.000 Euro angeboten. „Im Prinzip eine sinnvolle Aktion, allerdings entsprechen die angebotenen Alarmanlagen-Pakete nicht der gängigen OVE-R2-Richtlinie und damit auch nicht den Alarmanlagenförderungskriterien des Landes Burgenland“, so Sicherheitsexperte Harald Silli von Telenot, einem der renommiertesten Alarmanlagenhersteller im deutschsprachigen Raum.

Denn das Land Burgenland gewährt nur einen 30-prozentigen Kostenzuschuss bei Alarmanlagen mit einem Anschaffungspreis von bis zu 1.000 Euro, wenn diese vom Fachmann entsprechend der OVE-R2-Richtlinie, quasi der gültigen Ö-Norm, errichtet werden. Diese Qualitätsrichtlinie vom Österreichischen Verband für Elektrotechnik verlangt aber, dass die Innensirene nicht in eine Alarmanlagenzentrale integriert sein darf, sondern davon abgekoppelt zu sein hat. Damit kann ein Eindringling bei einem unbefugten Zutritt nicht durch einen Schlag auf die Sirene die gesamte Alarmanlage außer Gefecht setzen. „Das ist enorm wichtig, da sonst das ganze System zerstört wird. Bei den einfachen Sicherheitssystemen dauert es bis zu einer halben Minute, bis ein Alarm über eine Festnetzleitung zur entsprechenden Stelle weitergeleitet und ausgelöst wird. Diese Zeit reicht Profis locker, um die Anlage zu demolieren“, so Silli, der darauf hinweist, dass die im Paket angebotenen Produkte zwar über eine EN-Zulassung 50131 Grad 2 (Europäische Norm) verfügen, „aber das heißt noch lange nicht, dass sie entsprechend der OVE-R2-Richtilinie, die als Richtlinie am österreichischen Markt für Planung, Einbau, Betrieb u. Instandhaltung maßgeblich ist, installiert werden können. Denn das hängt vom Zusammenspiel der einzelnen Alarmanlagenkomponenten ab.“

Zudem empfehlen der Wiener kriminalpolizeiliche Beratungsdienst und die Landesinnung Wien der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker in jedes Alarmanlagenangebot eine international im Alarmanlagenbereich übliche »Hybridanlage« aufzunehmen. Das sind Funkalarmanlagen, die auch über verdrahtete Meldelinien verfügen. „Denn es gibt absolut kein Funksystem, das immer zu 100 Prozent zur Verfügung steht. Profis können es relativ leicht lahm legen. Darum reicht auch eine reine Funkalarmanlage nie aus, wenn man wirklich sicher sein möchte, dass eine Alarmanlage funktioniert, wenn man sie braucht“, warnt der Telenot-Sicherheitsexperte und verweist darauf, dass dieser Aspekt bei der Burgenland-Aktion ebenfalls nicht berücksichtigt wird. Silli fordert daher die Verantwortlichen der „Sicherheitspartner-Initiative“ auf, diese Aktion den gültigen Sicherheitsstandards und den Expertenempfehlungen anzupassen. „Wenn es um die Sicherheit von Leib und Leben beziehungsweise liebgewonnene Sachwerte geht, sollten Qualität und Zuverlässigkeit bei einer Alarmanlage immer an erster Stelle stehen“, appelliert Silli an die Verantwortlichen.

(Quelle: Presseinformation von Telenot)

Wir haben zu diesem Thema bei den Zuständigen der Innung nachgefragt:

Bundesinnungsmeister Josef WitkeBundesinnungsmeister Josef Witke:
Der burgenländische Landesinnungsmeister hat auf diese Mängel sowohl in einem ORF-Interview, als auch persönlich bei den Organisatoren darauf hingewiesen. Er wurde allerdings in beiden Fällen negiert, bzw. wurden seine Worte aus dem Interview heraus geschnitten. Auch hat der Berufsgruppenobmann der Alarmanlagenerrichter diese Mängel aufgezeigt. Wir haben aber von Seiten der Bundesinnung noch keine größere Gegenmaßnahmen gesetzt, da diese Werbung ja auch unseren Mitgliedern zu gute kommt und sie werden die interessierten Kunden über die Mängel dieser beworbenen Anlage aufklären und das Richtige anbieten. So wurde es nach meinem Wissen unseren burgenländischen Mitgliedern mitgeteilt. Meines Wissens stieg trotz dieser unrichtigen Werbeaktivitäten die Nachfrage bei den Mitgliedern. Ich habe veranlasst, dass die Berufsgruppe der Alarmanlagenerrichter von Seiten der Bundesinnung nochmals die Organisatoren auf die richtigerweise aufgezeigten Mängel schriftlich hinweisen wird. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass die Erzeuger und Importeure von Alarmanlagen ebenfalls eine Standesvertretung haben und dieses Fehlverhalten von Seiten der Initiatoren der Förderung ebenfalls aufgezeigt werden sollte.

Landesinnungsmeister (Bgld.) Andreas Wirth:
Landesinnungsmeister (Bgld.) Andreas WirthDiese Aktion, die durch die Burgenländische Landesregierung organisiert wurde, schlägt hier im Burgenland, aber wie man sieht auch österreichweit, große Wellen. Mich haben schon sehr viele Alarmanlagenerrichter diesbezüglich kontaktiert und ihre Wut an mir ausgelassen,
Dazu möchte ich sagen, dass ich mich gut informiert habe, bevor ich dieser Aktion zustimmte. Leider sind einige Details, welche im Voraus zwar besprochen wurden, dann aber doch »unerklärlicherweise« untergegangen! Bei der Eröffnungs-Pressekonferenz habe ich vor dem ORF und sämtlichen anderen anwesenden Medien, zweimal explizit verkündet, dass es sich lediglich ein Startpaket handelt, das nur die Grundbasis, aber noch nicht eine nach der Norm errichtete Anlage enthält! Auch über die Wichtigkeit einer Risikoanalyse für jedes einzelne Objekt habe ich dabei mehrmals hingewiesen! Leider ist dies offensichtlich untergegangen, da die Worte der Politik scheinbar interessanter waren (LH Niessl SPÖ und LH Stv. Tschürtz FPÖ).
Wie man nun von den burgenländischen Alarmanlagenerrichtern hört, ist diese Aktion eine wirklich große Werbekampagne gewesen – jedoch mit null qualitativen Botschaften, da im Prospekt einige Fehler aufgetreten sind. Es fehlten zum Beispiel Komponenten in den Auflistungen und es gab viele Druckfehler und Rechtschreibfehler. Die Krönung ist außerdem, dass die beworbene gratis-Aufschaltung der Alarmanlagen auf die LSZ noch gar nicht funktioniert! Der Grund warum diese Werbekampagne überhaupt gemacht werden konnte, ist die Landesförderung mit 30 % max. € 1.000-, welche es bereits schon über 10 Jahre gibt! Diese Förderung wurde noch unter SPÖ / ÖVP durchgesetzt und beschlossen.

Trotzdem kann man, denke ich, ein positives Fazit ziehen. Denn unsere Firmen haben durch diese Kampagne viel Aufmerksamkeit erregt und eine Menge Aufträge an Land gezogen und dabei, im Endeffekt, viele qualitative und normgerechte Alarmanlagen verkauft und installiert!

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