500 Tage Bernhard Weber

 

Das Exklusiv-Interview mit dem Sonepar Hagemeyer Österreich-Geschäftsführer.


Große Erwartungen wurden in sein Kommen und sein Wirken gesetzt, als Bernhard Weber vor mittlerweile 17 Monaten nach Österreich kam, um Sonepar Hagemeyer – gemeinsam – fit für die Zukunft zu machen. Mit viel Menschlichkeit und Fingerspitzengefühl startete der gebürtige Bayer in diese große Aufgabe. Im Gespräch mit dem i-Magazin resümiert Weber die letzten 500 Tage seit seinem Amtsantritt.

Lobeshymnen aus der österreichischen Industrie lösten bereits im Vorfeld einen Rückenwind für den neuen Sonepar-Geschäftsführer aus. Die Hoffnung war groß, noch größer das Aufatmen, als Bernhard Weber vor 17 Monaten nach Österreich geholt wurde, um seine Fähigkeiten in der »Alpenrepublik« unter Beweis zu stellen. Durch Schaffen von Strukturen und Delegieren von Verantwortung wurde der Weg in Richtung einer Sonepar Hagemeyer-Einheit eingeschlagen. Weber brachte aber nicht nur die Rückendeckung zur Veränderung mit, vor allem eine gehörige Portion Menschlichkeit war anscheinend vonnöten, um Sonepar Hagemeyer in eine gemeinsame Richtung zu lenken.

Geschäftsführer Bernhard Weber macht Sonepar Hagemeyer fit für die Zukunft.Herr Weber, welche Erwartungshaltung haben Sie bei Ihrem Amtsantritt vor 17 Monaten mitgebracht und was genau haben Sie vorgefunden?
Bernhard Weber: Ich bin hierher gekommen, um Sonepar Hagemeyer Österreich neu zu positionieren. Die Gegebenheiten waren hier nicht in der Art und Weise gestaltet, wie man sie beispielsweise aus Deutschland oder den Niederlanden kennt – eine Konsequenz aus vielen Faktoren, meiner Meinung nach. Ein wesentlicher Faktor war hierbei meines Erachtens der ständige Wechsel in der Geschäftsführung. Auch die Kultur stellt eine Säule dar, auf der sich der Erfolg eines Unternehmens gründet – oder auch nicht. Wir haben sehr viel Zeit und Arbeit investiert, um die Kultur in diesem Unternehmen zu verbessern.

Welche waren Ihre ersten Schritte?
Weber: Ich ging zunächst auf jeden Mitarbeiter zu, um persönlichen Kontakt herzustellen und in weiterer Folge auch die Einstellung zum Unternehmen sowie zur eigenen Tätigkeit kennenzulernen. Darauf gründend folgten schnell personelle Veränderungen. Es war mir wichtig, Präsenz zu zeigen und das Bewusstsein zu schaffen, dass es hier jemanden »zum Anfassen« gibt, der nicht hinter dem Schreibtisch versteckt bleibt. Natürlich wollte ich auch ehrliche Meinungen von »der Front« einholen, deshalb habe ich bereits vor meinem Amtsantritt alle Häuser besucht.

Woher kam das Wissen, welche Dinge zuerst anzupacken sind?
Weber: Ich komme aus dem operativen Bereich und mir war sehr wohl bewusst, dass es in erster Linie im Bereich der Warenverfügbarkeit hakt. Ein weiterer großer Knackpunkt war die Frage der Verantwortung. Kultur entsteht unter anderem auch, wenn man Verantwortung übernimmt, denn so kann differenziert gesteuert werden. Natürlich musste auch im Kundenbereich einiges aufgearbeitet werden, deshalb lautete mein persönliches Credo: Eine Woche ohne Kundenbesuch ist eine schlechte Woche. Wer kann wohl am besten Auskunft darüber geben, wo genau es in unserem Unternehmen hakt? Der Kunde natürlich.

Was können Sie uns zu den SOKO-Konzepten sagen?
Weber: Entstanden ist die Idee in Anlehnung an die Fernsehsendung SOKO Wien bzw. SOKO Kitzbühel. Schreibt man »Sonepar-Konzepte«, sticht förmlich die Abkürzung »SOKO« heraus. Da dieser Begriff in Österreich sehr bekannt ist, wurde diese Bezeichnung als Oberbegriff für unsere Pläne verwendet. Gemeinsam mit Dragan Skrebic wurden Überlegungen angestellt, wo am besten anzusetzen ist, um Inhalte nach außen zu transportieren – mithilfe dieser Sonepar-Konzepte. Die Arbeit und der Einsatz von Dragan Skrebic leisteten hier einen unschätzbaren Beitrag, nicht zuletzt da er Markt und Menschen kannte. Durch die entstandene Dynamik haben viele Mitarbeiter Beiträge geleistet mit dem Ergebnis, dass wir neue Vertriebskonzepte anbieten können, dass wir im e-Business neuen Fahrtwind bekommen haben und dass in der Unternehmenskultur vor allem im ersten Jahr unheimlich viel bewegt wurde.

Sonepar: Partnerschaft, die – für Weber auf beiden Seiten – Freude macht.Zum Thema Kultur – begründet sich diese alleine darauf, Verantwortung zu übergeben?
Weber: Nein. Es gibt ein weltweites Unternehmensleitbild. Wir haben in allen Häusern, mit allen Mitarbeitern, Workshops veranstaltet, die die Sonepar-Unternehmenskultur aufzeigten. Durch eigene Aufarbeitung seitens der Mitarbeiter wurde Bewusstsein geschaffen und dieses auch verinnerlicht. Ein einheitliches Level half schließlich dabei, um intern dieselbe Sprache sprechen zu können. Eine Kultur wird von den Menschen gemacht. Frei nach einem französischen Philosophen: Willst du ein Schiff bauen, dann sage den Menschen nicht, welche Werkzeuge sie zu benutzen haben und was sie zu tun haben, sondern zeige ihnen das Ziel, das du mit dem Schiff erreichen willst.

Wie sehen Sie den Großhandel in fünf Jahren und wo steht Sonepar dann?
Weber: Dazu möchte ich den Oberbegriff »Big Data« erwähnen. Sonepar setzt sich mit dieser Thematik weltweit auseinander, so auch in Österreich. Der Überbegriff Big Data bezeichnet im Endeffekt die zügige Digitalisierung. Wir sind in der Schnelligkeit des Tuns noch lange nicht am Ende. Unter Big Data versteht man, dass unsere ganze Datenwelt »in time« abrufbar sein wird. Diese Richtung wird sich rasant entwickeln, denn wer schleppt heute noch Kataloge zum Kunden mit? Dies ist durchaus revolutionär und genau hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen – davon bin ich überzeugt. Wer sich damit nicht auseinandersetzt, wird in drei bis fünf Jahren das Nachsehen haben.
Bei Fragen wie »Wie lange wird es den Großhandel noch geben?« oder »Braucht man den Großhandel überhaupt noch?« wird mir keineswegs angst und bange. Die Großhandelslandschaft wird in drei bis fünf Jahren zweifelsfrei eine andere sein. Wir haben jetzt den Grundstein gelegt, dass sich Sonepar Österreich in Zukunft anders präsentiert und auch positioniert.

Könnte man da nicht noch intensiver ansetzen und den Kunden beispielsweise durch exakte De- finition letztendlich auch lenken?
Weber: Informationen zielgerichtet zum Kunden zu bringen, ist sehr wohl relevant. Die Elektrotechnik, wie sie einst leibte und lebte, ist heute schließlich nicht mehr der klassische Installationsbetrieb, der – überspitzt formuliert – Schalter anschließt und es dabei belässt. Hier müssen mittlerweile auch Kommunikationstechnik, die Antriebstechnik und die vernetzte Welt berücksichtigt bzw. eingebunden werden. Und selbstverständlich muss man auch der Ausbildung gerecht werden: Wer heute Elektrotechnik erlernt, lernt das Grundhandwerk, aber die Details... – ich bin sehr gespannt, welche Entwicklungen diesbezüglich in Zukunft aufkommen. Wir im Großhandel empfinden es auch als unsere Aufgabe, intensiver an dieser Thematik teilzunehmen, deshalb werden auch zukünftige Schulungskonzepte auf diese Richtung abzielen.

Wie intensiv wird man sich mit dem Konsumenten beschäftigen?
Weber: Diesbezüglich gibt es noch sehr viel zu tun. Ich glaube, mehrere Bausteine sind hier zielführend, unsere Technik ist zu versteckt. Marken spielen eine immer größere Rolle, was Gewährleistung, Service und Qualität betrifft – deswegen setzt Sonepar auf Markenqualität, wir haben keine »No-name-Produkte« aus China auf Lager.

Wird der Großhandel auch Ausbilder der Zukunft sein?
Weber: Nein, nicht ausschließlich, aber er wird sehr wohl seinen Beitrag leisten. Wir werden mit Sicherheit daran teilhaben, so bieten wir heute schon als Sonepar herstellerneutrale Schulungen in den Bereichen Licht und Gebäudesystemtechnik. Handwerker sollten mehr und mehr in ihren Bereichen geschult werden, damit sie auch andere Zugänge zu neuen Thematiken entwickeln. Wer widmet sich einem Themengebiet, in dem man unsicher ist? Es gibt mittlerweile sehr viele Bereiche, worauf soll man sich fokussieren? Genau hier werden wir unseren Beitrag leisten, indem wir Schulungskonzepte anbieten – ob herstellerneutral oder mit Herstellern – um unsere Kunden, unsere Partner dort fit zu machen, wo es notwendig ist. Unser Credo »Sonepar – Partnerschaft, die Freude macht« sind keine leeren Worte.

Herr Weber, wir bedanken uns herzlich für das Gespräch!

(Das Interview führten Thomas Buchbauer und Thomas Graf Zoufal Text: Mag. Sandra Eisner)

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