Laden ist das neue Tanken

 

Elektromobilität ist mittlerweile salonfähig. Aber wann hält die zukunftsweisende Technik zu Hause Einzug? Zwei starke Partner klären auf: Mit Know-How und umfassender Beratung bringt Siblik ab sofort die Lade-Infrastruktur von Mennekes auf den österreichischen Markt.



Laut Marco Albrecht (Mennekes) und Gernot Schröck (Siblik) ist die Zeit reif. Mennekes – renommierter Hersteller von Industrie-Steckvorrichtungen – bietet mit seiner Lade-Infrastruktur intelligente Lösungen im Bereich Heimlade- Möglichkeiten. Mit Siblik wurde der ideale Partner gefunden, der nicht nur über Know-How verfügt, sondern auch professionelle Schulungen der Elektro-Installateure und umfassende Endverbraucher-Beratung anbieten kann.

Warum haben Sie sich für dIm Interview mit dem i-Magazin plädieren Albrecht und Schröck einstimmig auf den Vorstoß der Elektromobilität in den privaten Bereich.en dreistufigen Vertriebsweg entschieden?
Marco Albrecht: Mennekes und Siblik haben stets den dreistufigen Vertrieb bevorzugt. Nur für E-Mobilität im öffentlichen Bereich war bald klar, dass ein Infrastruktur-Betreiber notwendig ist. Daher wurde ein Direktvertrieb realisiert – Betreiber waren die Energieversorger. Sie bauen seit 2009/2010 Lade-Infrastruktur auf. Auch im Rahmen großer Förderprojekte. Für den privaten und halböffentlichen Bereich können wir im dreistufigen Vertrieb bleiben. Für Österreich übernimmt das unser langjähriger Partner Siblik.

Haben sich die Zielgruppen verändert?
Albrecht: Ja. Gewerbebetriebe und Endverbraucher interessieren sich für unsere Wall-Boxen Amtron. Da sie professionell installiert werden müssen, brauchen wir hier den dreistufigen Vertrieb. In Österreich haben wir in Siblik einen langjährigen Partner. Wir wissen, dass Siblik ein erklärungsbedürftiges Produkt seinen Kunden nahebringen kann. Idealerweise beherrscht Siblik zusätzlich noch die Verknüpfung mit Photovoltaik, erneuerbaren Energien und Speicher.

Die Markt-Anforderungen haben sich verändert?
Albrecht: Ab 2009 gab es Nachfrage nach Lade- Infrastruktur, getrieben durch Fördervorhaben. Das betraf allerdings den kommunalen Bereich, große Flottenbetreiber wie z.B. Ministerien. Genutzt wurde eine öffentliche Lade-Infrastruktur. Für eine Heim-Ladestation wie Amtron gab es noch keine Nachfrage. Mittlerweile hat sich das verändert. Auch Private brauchen in Zukunft eine Heimlade-Möglichkeit. Das braucht professionelle Beratung.

Verunsichert die Reichweite von E-Autos den privaten Nutzer?
Albrecht: Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir unser Mobilitätsbedürfnis hinterfragen. Für 85 % der Nutzer sind Reichweiten von 150 bis 200 km völlig ausreichend. Ein durchschnittliches Fahrzeug steht rund 23 Stunden am Tag – zu Hause, beim Arbeitgeber, auf einem Park&Ride-Parkplatz. Es soll dort geladen werden, wo es ohnehin steht. Damit sind Reichweiten kein Thema mehr. Falls tatsächlich einmal 400 oder mehr Kilometer gefahren werden müssen, kann ja zwischengetankt werden. Die Statistiken zeigen jedoch, dass fast alle Nutzer zuhause oder am Parkplatz tanken.

Marco Albrecht, Mennekes: „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir unser Mobilitätsbedürfnis hinterfragen.“Können private Energiekosten eines Dienstautos mit dem Arbeitgeber abgerechnet werden?
Schröck: Ja, die Amtron kann das. Es können auch mehrere Fahrzeuge angelegt werden. Für den gewünschten Zeitraum wird dann ein Ladereport erstellt, der per App generiert und anschließend per E-Mail direkt an den Arbeitgeber geschickt werden kann.

Was kostet so eine Heim-Ladestation?
Albrecht: Die einfache Variante der Amtron kostet in etwa 800 bis 900 Euro (UVP). Das Produkt mit App, RFID usw. beläuft sich auf 2.200 bis 2.300 Euro (UVP). Den genauen Preis kann man im Zuge einer Beratung bei Siblik erfragen.

Was würden Sie einem Konsumenten empfehlen, der beispielsweise auf den Tesla 3 wartet? Soll die Garage umgerüstet werden? Macht Photovoltaik Sinn oder doch eine Speicherlösung?
Albrecht: Das hängt von den Gegebenheiten ab. In der Garage ist ein 11 kw-Anschluss notwendig, der normalerweise vorhanden ist. Optimal wäre ein 22 kw-Anschluss. Das muss mit dem Energieversorger geklärt werden. Ich würde jedenfalls empfehlen, über Photovoltaik nachzudenken. Das Elektroauto als Speicher zu nutzen, funktioniert allerdings nur, wenn es zu Hause steht. Im Falle eines Umoder Neubaus würde ich jedenfalls einen Speicher in Erwägung ziehen.

Mit welchen Entwicklungen ist seitens der Autohersteller zu rechnen?
Albrecht: Mennekes ist auch Automobil-Zulieferer für Lade-Inlets. Was in den nächsten Jahren kommen wird, sind rein batterie-elektrische Fahrzeuge mit großen Batterie-Kapazitäten. Sie werden dreiphasige Ladegeräte an Bord haben, die die Ladezeiten verkürzen werden.

Machen Gleichstrom-Ladestationen Sinn?
Albrecht: Die Idee, mit Gleichstrom direkt in die Batterie zu gehen, bedeutet, dass der Wechselstrom bereits im Haus umgewandelt werden muss. Eine Gleichstrom-Ladestation ist jedoch fünf bis sieben Mal teurer als eine Wechselstrom-Ladestation.

Mit welchen Fahrzeugen ist zu rechnen?
Albrecht: Das meistverkaufte Auto Europas ist der VW Golf. Warum sollen etablierte konventionelle Fahrzeuge nicht umgerüstet werden? Es bleibt abzuwarten, welche Richtung die Entwicklung hier nimmt. Sicher ist, dass es wesentlich mehr Fahrzeuge mit Stecker geben wird. Ein ganz klarer Trend ist aber auch der Plug-in-Hybrid. Hier wird durch alle Baureihen eine Elektrifizierung stattfinden. Es werden aber sicher auch rein batterie-elektrische Fahrzeuge auf den Markt kommen.

In Norwegen werden ab 2025 nur mehr elektrifizierte Fahrzeuge neu zugelassen.Gernot Schröck, Siblik: „Das Amtron-Schulungsprogramm wird auf den Elektro-Installateur angepasst. Wichtig ist das Thema Fehlerstromschutz. Hier gehen wir den konsequent sicheren Weg und setzen auf einen allstromsensitiven FI-Schutzschalter Klasse B.“
Albrecht: Diese Regelung gilt für Oslo. Dort wird E-Mobilität gelebt. Das ist für ein Land ohne große Automobil-Industrie vergleichsweise einfacher. Es ist aber nicht ohne weiteres auf andere Staaten umlegbar. Außerdem gibt es in Norwegen gewaltige Ressourcen an erneuerbaren Energiequellen und extrem günstige Kilowatt-Stundenpreise. Und man hat es wirklich richtig gemacht: Es wurden Anreize geschaffen, um die kritische Masse zu überzeugen. Die Mittel dafür stammen aus dem Bereich der Gesundheitserhaltung, kommen also nicht vom Verkehrsministerium.

Wird der Großhandel die Produkte auf Lager haben?
Schröck: Es wird bestimmt einige Standardprodukte geben, die auf Lager gelegt werden können. Aber es gilt zu bedenken, dass es sich hier um ein komplexes Produkt handelt, das Schulung auf der einen und Beratung auf der anderen Seite benötigt.

Wie gestaltet sich der Innovationszyklus bei Ladestationen?
Albrecht: Der durch die EU-Kommission festgesetzte Standard ist aus 2014 und dadurch relativ neu. Daher wird sich am Ladestecker und der Steckdose in den nächsten Jahren wohl nichts ändern. Normative Änderungen würden von uns natürlich frühzeitig angekündigt werden.

Welche Schulungen sind für den Elektrotechniker notwendig?
Albrecht: Die einfachen Produkte sind im Prinzip anschlussfertig. Die Elektro-Fachkraft sollte natürlich eine Prüfbox haben, um ein E-Auto zu simulieren und um alle Anschlüsse auf Richtigkeit prüfen zu können. Für erweiterte Lösungen sind Schulungen notwendig, die Siblik anbieten wird.

Albrecht: „Was in den nächsten Jahren kommen wird, sind rein batterie-elektrische Fahrzeuge mit großen Batterie-Kapazitäten.“Wird diese Schulung gemeinsam mit dem Großhandel gemacht?
Schröck: Das Amtron-Schulungsprogramm wird auf den Elektro-Installateur angepasst. Es kann gemeinsam mit dem Elektro-Großhandel oder in Schulungen direkt beim Elektriker stattfinden. Wichtig ist das Thema Fehlerstromschutz. Hier gehen wir den konsequent sicheren Weg und setzen auf einen allstromsensitiven FI-Schutzschalter Klasse B.

Wie sehen Sie die politische Akzeptanz zu diesem Thema?
Albrecht: In Deutschland gibt es seitens der Bundesregierung ein Lade-Infrastruktur-Programm, das insgesamt 30.000 Ladepunkte fördert. Damit sollen psychologische Barrieren hinsichtlich der Reichweite abgebaut werden. Es können Förderungen von bis zu 50 % in Anspruch genommen werden. In Österreich fällt meines Wissens z.B. für Firmenfahrzeug-Nutzer der Sachbezug weg.

Wie stehen Sie zum Thema Induktionsladen?
Albrecht: Induktionsladen ist theoretisch möglich, hat allerdings zwei große Nachteile: Die Lade-Leistungen sind nicht hoch genug und es ist viel zu teuer. Es ersetzt nicht die Lade-Infrastruktur, sondern nur den Stecker. Und es stehen zu viele sicherheitstechnische Entwicklungen aus. In der nächsten Zukunft wird ganz sicher das konduktive Laden vorherrschen.

Gesetzt den Fall, die gesamte Bevölkerung würde ab sofort auf Elektrofahrzeuge umsteigen – was würde passieren?
Albrecht: Das würden die Netze definitiv nicht schaffen. In Deutschland gibt es die Vision einer Million E-Fahrzeuge im Jahr 2020. Forschungen haben bestätigt, dass das für die Netze auch möglich wäre. Dafür muss aber die Lade-Infrastruktur intelligent sein, der Ladezeitpunkt muss festgelegt werden können. So könnten auch Nachttarife genutzt werden. Irgendwann muss auch eine Steuerung seitens des Versorgers möglich sein. Unsere Amtron kann das heute schon.

Was ist Ihre abschließende Botschaft zum Thema E-Mobilität?
Albrecht: Eigentlich ist alles ganz einfach. Es bedarf nur einer anderen Planung. Und seitens der Hersteller sollte mehr aufgeklärt werden. Unsicherheiten müssen aus dem Weg geräumt werden. Und es müssen Anreize geschaffen werden. Konkrete Anweisungen würden helfen, wie zum Beispiel, dass ab 2020 keine Verbrennungsmotoren in Innenstädten mehr erlaubt sind. Dann würde jeder Autohersteller innerhalb von zwei Jahren in jeder Klasse ein vernünftiges, bezahlbares, rein batterie-elektrisches Auto herstellen.

Das Interview wurde durchgeführt von Thomas Buchbauer und Thomas Graf-Zoufal.

Die Amtron-Wall-Box von MennekesDas Gehäuse der Amtron selbst ist gleichzeitig die Kabel-Aufhängung. Ohne Haken, Trommeln oder sonstige Halter. Sowohl fest angeschlossene als auch separate Ladekabel können damit schnell und einfach aufbewahrt werden. (Foto: Mennekes)
Mit dem Elektro-Fahrzeug fährt man nicht mehr extra tanken. Es wird ganz einfach dann geladen, wenn es abgestellt ist. Am Firmenparkplatz, vor dem Supermarkt oder in der eigenen Garage. Die Mennekes Heimlade-Station Amtron ist so konzipiert, dass eine individuelle Ausstattung möglich ist. Über die Anbindung an die Photovoltaikanlage kann der selbst erzeugte Solarstrom direkt in das E-Auto geladen werden – klimaneutral und kostenfrei. Dabei wird immer sichergestellt, dass zum günstigsten Stromtarif geladen wird – egal ob netz- oder zeitgesteuert geladen wird. Darüber hinaus sind automatische Auswertungen der Ladevorgänge möglich. Dabei wird auch der Anteil von Solar- und Netzstrom ersichtlich. Der Ladeprozess kann jederzeit manuell gestartet, pausiert oder gestoppt werden. Neben der Remote-Steuerung gibt es drei weitere Amtron-Lademodi. (Foto: Mennekes)

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