Der Start in die Selbstständigkeit

 

Österreich liegt mit Blick auf die Anzahl der Selbstständigen im Land eher auf den hinteren Rängen. Im Jahr 2016 waren es 473.200 Selbstständige. Beim Spitzenreiter Italien waren 5.137.600 Selbstständige gemeldet. Nützliche Tipps gibt dieser Ratgeber.


Österreich ist kein Land der mutigen Gründer
Die Statistik der Wirtschaftskammer Österreich, die die eingangs genannten Zahlen präsentiert, zeigt Österreich nicht gerade als Land der Gründer. Selbst im prozentualen Vergleich liegt Österreich mit einer Selbstständigen-Quote von 11,2 Prozent deutlich hinter Griechenland (30,2 Prozent), Italien (22,6 Prozent) und Portugal (17,1 Prozent). Worin die Gründe liegen, warum die Österreicher tendenziell eher selten den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, darüber schweigt sich die Statistik aus.

Möglicherweise erklären diese Ausführungen des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, warum die Selbstständigkeit für viele Österreicher kein erstrebenswertes Ziel zu sein scheint: „Die Arbeitszeiten von Solo-Selbstständigen (Mittelwert: 48,6 Stunden pro Woche) sind vergleichsweise höher als die von unselbstständig Erwerbstätigen (38,1 Stunden pro Woche ...). Die Einkommensstruktur der Solo-Selbstständigen ist sehr breit. Insgesamt sind die Mehrzahl der Einkommen im Vergleich zu ähnlich qualifizierten unselbstständig Erwerbstätigen niedrig. Der Median des Jahreseinkommens (Nettojahresäquivalent) der vom Finanzamt erfassten Solo-Selbstständigen beträgt ungeachtet des Tätigkeitsausmaßes (Voll- oder Teilzeitäquivalent) 16.322 Euro. Der arithmetische Mittelwert 21.793 Euro. Männer verdienen im Schnitt zwischen 28 Prozent (bis) 38 Prozent (...) mehr als Frauen.“

Vielleicht können die folgenden Tipps dabei helfen, den Weg nicht als Sprung ins kalte Wasser zu empfinden, sondern als Weg in ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell.

Tipp 1: An erster Stelle steht das KonzeptDer erste Tipp für angehende Jung-Unternehmer ist, das eigene Konzept kritisch zu hinterfragen und auf den Punkt zu bringen. (pixabay.com © stux (CC0 Public Domain)
Jeder Gründer muss sich zuerst selbst die Pistole auf die Brust setzen und die wichtigsten Hausaufgaben machen. Das Konzept, das Geschäftsmodell oder wie der Gründer es auch bezeichnen mag, muss der Anfang der Gründungsidee sein. Auf dem Weg zu diesem Konzept müssen folgende Fragen beantwortet werden:
- Welches Angebot habe ich?
- Wie ist es um die Markt- und Wettbewerbssituation bestellt?
- Was ist der Unterschied zur Konkurrenz?
- Was ist der USP, das Alleinstellungsmerkmal?
- Wer soll für das Angebot und den USP Geld ausgeben?

Zugegeben, diese Fragen sind sicherlich etwas ungemütlich. Doch nur wer sich eingesteht, dass er mit einer vermeintlich bahnbrechenden Idee nicht der Einzige im Ring ist, wird hart genug an seiner Geschäftsidee arbeiten, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

Tipp 2: Kostenstruktur so gering und gesund wie möglich halten
Den Tipp, die Kosten im Zaun zu halten, bekommen viele Gründer. Allerdings wird Ihnen nur selten der Zusatz mit auf den Weg gegeben, die Kostenstruktur auch »gesund« zu halten. Das bedeutet nämlich, dass es nicht zielführend ist, als Gründer ALLES in Eigenregie zu stemmen. Deswegen gilt als Faustregel: Die Aufgaben, die Dritte effizienter und damit letztlich auch günstiger bewerkstelligen können, dürfen, sollen bzw. müssen an Dritte abgegeben werden.

Tipp 3: So einfach klappt’s mit dem passenden BüroSparsam zu sein, ist ein guter Tipp für Gründer. Doch das darf nicht bedeuten, dass ein Gründer alles selbst leisten muss. (Foto: pixabay.com © nosheep (CC0 Public Domain)
Auch wenn die Österreicher gründungstechnisch etwas verhalten sind, so folgen sie dennoch dem Co-Working-Trend. Dieser hilft dabei mit möglichst wenig Equipment in die Selbstständigkeit zu starten – und nicht nur das. Wer das Co-Working-Space nur als »Büro« nutzt, vergibt sich viele Vorteile, die ein Gründer dort nutzen kann.
1.) Einerseits geht es sicherlich um das Kosten-Spar-Potential, von dem Gründer hier profitieren können. Durch die WG-ähnliche Nutzung von Büroräumen (häufig sogar inklusive Küche und Besprechungsraum) sparen sich Gründer teure Büromieten und Geld für Nebenkosten.
2.) Andererseits geht es auch um den Community-Aspekt, denn wer in einem Co-Working-Space arbeitet, ist meist umringt von innovativen und kreativen Köpfen, mit denen das Brainstorming weniger Arbeit als vielmehr Spaß bedeutet.
Obgleich Anschlüsse und teilweise sogar Hardware wie etwa Kopierer oder Drucker im Co-Working-Space zur Verfügung stehen, braucht es noch die ganzen Details, die ein Büro auch zu einem Arbeitsplatz mit zerknüllten Skizzenblätter, schwarzen Notizbüchern, Heftnotizen und vielen weiteren Details machen. Eben dieses Equipment bleibt dem Gründer nämlich in jeden Fall – egal ob er sich nach der Zeit im Co-Working-Space fürs Home-Office oder die Anmietung großer Büroräume entscheidet.

Tipp 4: Einsatz klar kalkulIn Co-Working-Spaces treffen meist kreative Köpfe zusammen, die branchenfremd oder aus demselben Bereich stammen können. (Foto: pixabay.com © Alyibel (CC0 Public Domain)ieren, auch wenn mehr als 100 Prozent gefordert werden
In schier unzählig vielen Gründerberichten ermahnen Mentoren die Jungunternehmer, 100 Prozent Zeit, Kraft und Elan in die Gründung zu stecken. Verständlich ist das allemal, denn ein Unternehmen zu gründen, ist ein mächtig großer Aufwand. Allerdings soll an dieser Stelle auch für eine humane Form der Gründung plädiert werden, denn: Wer sich komplett aus seinem Privatleben ausklinkt und Tag und Nacht nur »Gründer« ist, dem wird schneller die Luft ausgehen, als ihm lieb ist. Deswegen muss der Einsatz klar kalkuliert werden – und: Es müssen nicht 100 Prozent sein.

Tipp 5: Geduld zu haben, ist die eigentliche Herausforderung
Geduld zu haben, bedeutet für einen Gründer nicht etwa die Hände in den Schoß zu legen und zu warten, bis der Erfolg sich von ganz alleine einstellt. Aber: Gründer müssen insofern geduldig sein, indem sie nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn der Erfolg sich nicht sofort einstellen will. Es geht darum, behutsam und nacheinander an den Stellschrauben zu drehen, die die Geschäftsidee ausmachen. So kann das Unternehmen mit Geduld und Ausdauer groß werden. Tipp: Wer die Erfolgsgeschichten anderer Startups wie beispielsweise Lineapp studiert, sollte daraus lernen und sich nicht vom Erfolg anderer demotivieren lassen.

(Fotos: Quelle siehe Abbildungen)

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